Vorbereitungen
Obwohl ich bereits unterwegs bin, will ich nun doch mal noch etwas über die Vorbereitungen schreiben. Ich habe mir dafür ungefähr drei Monate Zeit genommen. Zuerst dachte ich, dass das mehr als genügend Zeit sein sollte. Wenn man jedoch die Visas nicht unterwegs besorgen will und nicht bereits über die Ausrüstung verfügt, ist diese Zeit doch eher knapp bemessen.
Route
Vor ein paar Jahren war ich an einem Vortrag, bei dem ein Paar von ihrer Velotour nach Indien erzählt hat. Dieses Paar hat die Route durch Pakistan gewählt. In den kritischen Gebieten wurden sie dabei vom Militär begleitet. Nachdem ich mich etwas mit der Sicherheitslage informiert habe (beim EDA und mit Hilfe dieser Karte), habe ich diese Idee jedoch schnell verworfen. Weil ich aber trotzdem gerne durch den Iran wollte, war dann bald einmal klar, dass ich wohl durch Turkmenistan und Usbekistan fahren muss - zumindest wenn ich nicht auf Schiff oder Flugzeug zurückgreifen will.
Obwohl ich China ursprünglich gar nicht besuchen wollte, hat sich nach einigem hin und her plötzlich China als Reisedestination ergeben. Am Anfang wollte ich mir noch ein fixes Ziel setzen. Spätestens als ich dann die Visas organisierte, merkte ich aber, dass ich den letzten Teil der Reise nicht auch schon durchplanen will. Vorerst bleibt das Ziel also ein ziemlich grosses Land: China.
Der Rest der Route ergab sich dann ziemlich rasch. Weil ich schon mal durch Kroatien gefahren bin, habe ich mich für den Donauradweg durch Europa entschieden. Dann soll es durch die Türkei und darauf über Georgien und Armenien in den Iran. Zuerst wollte ich eigentlich direkt von der Türkei in den Iran fahren. Weil mir Kurdistan/Südost-Türkei aber einen eher weniger freundlichen Eindruck machte (bspw. Steine-werfende Kinder), habe ich mich dann für den Weg durch Armenien entschieden - der zudem landschaftlich Schönes verheisst.
Die wohl grösste Überraschung bei der Routenplanung war für mich Tadjikistan. Ein Land, das ich vorher nur mit Mühe auf der Karte gefunden hätte, wurde plötzlich zu einem Highlight meiner Route. Die Vorstellung, mit dem Fahrrad durch ein Hochgebirge zu fahren und Pässe über 4500 Meter zu bestreiten, reizt mich einfach!
Visas
Ach, die lieben Visas. Ein Touristenvisum zu beschaffen, sollte eigentlich keine Kunst sein. 5 Visas, die zudem Abhängigkeiten zu einander haben, ist schon etwas anspruchsvoller. Die Seite caravanistan.com war deshalb für mich echt hilfreich.
Usbekistan
Kurz nachdem ich mich über das Usbekistan-Visum zu informieren begonnen habe, erschien die Meldung, dass Usbekistan ab dem 1. April 2017 Visa-frei wird. Als ich mich dann bei der Botschaft darüber erkundigte und diese keine konkreten Informationen dazu nennen wollte, habe ich mich entschieden, trotzdem ein Visum zu beantragen. Wie sich ein paar Wochen später zeigte, war diese Entscheidung richtig - die Visa-Änderung wurde gleich um ein paar Jahre verschoben.
Und so geht es: Formular ausfüllen, Passkopie, zwei Passfotos und ab mit dem Pass nach Berlin. Eigentlich ziemlich einfach. Weil man jedoch den Pass nicht über die Grenze schicken sollte - angeblich werden solche Briefe manchmal an der Grenze aufgehalten -, kann man sich auch schon da einige Sorgen machen. Bis ich das Visum hatte, hat es bei mir etwa drei Wochen gedauert. Ein Nachteil bei diesem Visum ist, dass es datumsspezifisch ist. Das heisst, dass die 30 Tage Aufenthaltsdauer ab einem bestimmten Datum automatisch zu laufen beginnen.
Iran
Das Iran-Visum ist bereits etwas komplizierter als das Usbekistan-Visum. Einerseits liegt das daran, dass man sich über eine Agentur zuerst eine Referenznummer einholen muss. Anderseits gibt es dazu ein paar widersprüchliche Informationen im Internet. Auf jeden Fall sollte man im Formular nicht angeben, dass man mit dem Fahrrad unterwegs ist - das wird man jedoch auch nicht gefragt. Sorgen habe ich mir insbesondere wegen den Wahlen gemacht, die genau in den Zeitraum fallen, wenn ich im Iran sein will. Diese scheinen jedoch unbegründet gewesen zu sein. Nach ungefähr vier Wochen hatte ich meine 30 Tage, wobei ich innerhalb von drei Monaten einreisen muss.
China
Für gewöhnliche Touristen sollte das China-Visum eigentlich keine grosse Sache sein. Zwar ist es etwas mühsam, dass man die Flüge und Hotels buchen muss, bevor man überhaupt das Visum hat, aber das lässt sich einrichten. Was wenn man aber keine Flüge benötigt und auch nicht wirklich weiss, wann genau man im Land ist und wohin man überhaupt reisen will? Zudem: Das normale Touristen-Visum ist ja lediglich 3 Monate gültig.
Bis vor einiger Zeit war es möglich, das China-Visum unterwegs zu beschaffen. Das hat sich aber leider geändert, weshalb ich das Visum bereits in der Schweiz einholen wollte. Zuerst dachte ich an ein Double-Entry-Visum, welches bis zu 6 Monaten gültig ist. Nach einiger Zeit habe ich diesen Gedanken aber wieder verworfen. Nun, wer interessiert ist, wie ich das Problem trotzdem lösen konnte, soll sich doch einfach bei mir melden.
Übrigens, wenn man nach China einreist, ist es besser, wenn man keinen Türkei-Stempel im Pass hat. Das werde ich jedoch damit verhindern, indem ich einfach mit der Identitätskarte in die Türkei einreise.
Turkmenistan
Das Sorgenkind pur. Du hast die Wahl: Turistenvisum mit teurem Guide (der dich sicherlich nicht per Fahrrad begleitet) oder 5-Tage Transitvisum mit sehr hoher willkürlicher Ablehnquote. Was das Transit-Visum unnötig kompliziert macht, ist die Voraussetzung, dass man bereits das Visum für das vorherige und nachfolgende Land besitzen muss. Weil es zudem datumsspezifisch ist, habe ich mich entschieden, dieses Visum unterwegs zu beantragen. Das einzig Gute dabei ist, dass man das Visum in einer Botschaft beantragen und bei einer anderen Botschaft abholen kann. Man muss also zumindest nicht an einem Ort für mehrere Wochen rumwarten.
Falls ich kein Turkmenistan-Visum erhalten sollte, werde ich vermutlich vom Iran nach Usbekistan fliegen.
Tadjikistan
Mal wieder ein einfacheres Visum: So wie es aussieht, muss man lediglich online ein Formular ausfüllen und kann wenige Tage später ein Blatt ausdrucken, womit man dann selbst bei Überlandgrenzen einreisen kann.
Ausrüstung
Ein Aarios Discovery Stahlrahmenvelo, das Hilleberg Niak-Zelt und fünf Ortlieb-Taschen sind die Grundpfeiler meiner Ausrüstung. Natürlich könnte ich jetzt jeden weiteren Gegenstand auflisten oder gar die Überlegungen dahinter erklären, aber dafür ist mir die Zeit zu schade :-) Vielleicht werde ich jedoch später mal einen Artikel darüber schreiben, was sich bewährt hat und was nicht.
Versicherungen
Die wichtigste Versicherung für eine solche Tour ist vermutlich die Unfallversicherung. Dafür könnte ich zum Glück einfach die Unfallversicherung meines Arbeitgebers um ein halbes Jahr verlängern (Abredeversicherung).
Bei der Krankenkasse habe ich mich hingegen für eine preisgünstigere Lösung entschieden. Für Leute auf Reisen gibt es spezielle Auslandskrankenkassen, die nur einen Bruchteil der obligatorischen Krankenkasse kosten: 350 Euro für ein halbes Jahr (bei STA Travel Österreich). Solche Preise können die sich aber vermutlich auch nur erlauben, weil man im Ernstfall ins Heimatland zurückreist, wo die Auslandskrankenkasse dann nicht mehr weiter gilt. Wie dem auch sei, da lässt sich einiges sparen.
Ansonsten habe ich noch eine Reise- und Hausratsversicherung bei der Mobiliar. Die Hausratsversicherung deckt dabei auch Diebstähle mit einem geringen Selbstbehalt.
Und dann war da noch
Um mir Ärger mit dem Zivilschutz zu ersparen, habe ich mich in Basel gleich richtig abgemeldet. Mein Hab und Gut ist jetzt vorerst einmal auf dem Estrich eingestellt.
Die Vorbereitung für meine erste Fahrradtour nach Kroatien dauerte weniger als zwei Tage - und da hatte ich weder Zelt noch Fahrrad. Wenn es hingegen um die halbe Welt gehen soll, benötigt man schon etwas mehr Zeit.