3x Hauptstädte mit Fluss
Ich weiss, ich weiss - dieser Artikel war längst überfällig. Dafür habe ich jetzt einiges zu erzählen. Und ein halbes Bilderbuch gibt es gleich dazu!
Inzwischen habe ich auf dem Donauradweg schon so eine Art Alltag entwickelt. Am Morgen packe ich meine Sachen und radle dann ich für einige Zeit. Irgendwann suche ich mir eine Bäckerei, trinke eine heisse Schokolade und esse ein süsses Gebäck. Am Mittag esse ich entweder in einem Restaurant, koche mir etwas (ehm, ja, Pasta) oder esse einfach eine kalte Mahlzeit. Wenn es mir irgendwo gefällt, geniesse ich den Sonnenschein. Sobald ich ungefähr abschätzen kann, wie weit ich an diesem Tag noch komme, suche ich mir dann mit dem Offline-Karten-App maps.me einen möglichen Zeltplatz oder ein Hostel und ziele dann diesen Ort an.
So zumindest in der Theorie. Bisher hatten alle Zeltplätze offiziell noch zu. Bei kleineren Plätzen, die zu einem Club oder Restaurant gehören, durfte ich mein Zelt meist aber trotzdem aufstellen. Mit einer warmen Dusche wird es dann aber normalerweise nichts. Deshalb gönne ich mir öfters als erwartet auch eine anständige Unterkunft. Seit der Slowakei ist das preislich auch kein Thema mehr, aber dazu weiter unten mehr.
Überraschend für mich war, dass ich mich am Abend oft weniger sauber fühle als auf ähnlichen Touren im Sommer. Nachdem ich ein wenig herumexperimentiert habe, habe ich dann damit begonnen, nach wenigen Kilometern Aufwärmen das Fleece gleich wieder abzuziehen und nur noch mit zwei Schichten zu fahren - ansonsten schwitze ich schon nach kurzer Zeit. Das funktioniert selbst bei tieferen Temperaturen erstaunlich gut.
Nach einem schönen Start auf dem Donauradweg, wurde die Strecke bald etwas eintöniger. Anstatt durch geschlungene Täler, fuhr ich nun meist auf Hochwasserdämmen, die natürlich möglichst gerade gebaut werden - und glaubt mir, so verlockend gerade, flache Strecken klingen mögen, wenn man irgendwo einen Pass hochstrampelt, in der Realität sind die meist eher langweilig. Es werden jedoch nicht nur Dämme gebaut, sondern die Donau muss für den Schiffsverkehr teilweise auch zusätzlich ausgegraben werden. Denn in Deutschland ist das Wasser streckenweise gerade mal 1,6 bis 2,5 Meter tief. Was auch nicht überraschen sollte, ist, dass die Industrie merklich zugenommen hat. Richtig störend war das bisher aber kaum.
Überraschend finde ich hingegen die Vogelvielfalt. Inzwischen habe ich bereits mehrmals Fasane gesehen. Des Weiteren sieht man immer wieder Störche, Gänse, Rot- und Grünspechte, Silberreiher, Kuckucke und für mich unbekannte Entenarten. Andere wilde Tiere sind hingegen selten, mal abgesehen von Rehen. Und wenn wir schon bei Tieren sind: Seit der Slowakei scheint es Mode zu sein, Hunde zu besitzen. Teilweise ziemliche Monster, die sich bisher aber noch hinter Zäunen befinden. Spätestens in der Türkei wird es dann wohl ein paar direktere Begegnungen mit solchen Hunden geben.
Mit dem Wetter hatte ich bisher ziemlich Glück. Den ganzen Tag hat es bisher nur einmal geregnet. Da war ich dann natürlich für meinen super-sexy Regenponcho schon dankbar!



















Als ich die Grenze nach Österreich überschritten habe, wurde der Radweg für einige Zeit nochmals etwas schöner. Gerade die Weingebiete haben mir sehr gefallen und mich mit den Steinbauten ans Tessin erinnert. Was mich in Österreich überrascht hat, sind all die Angebote für die Donauradler. Die ganze Zeit trifft man auf Restaurants, Pensionen, Zeltplätze und Fähren, die mehr oder weniger ausschliesslich für Radler zu existieren scheinen. Ein Wirt hat mir dazu erklärt, dass die Strecke jährlich von ungefähr 750'000 Radlern befahren wird und viele Geschäfte tatsächlich von den Radfahrern leben. Problem ist nur, dass diese Betriebe folglich auch noch geschlossen haben. In ein bis zwei Monaten sieht es hier wohl bereits ganz anders aus.
















Auf Wien habe ich mich gefreut! Einerseits wurde mir Wien als sehr imposant beschrieben, anderseits wollte ich dort meinen Arbeitskollegen Damien treffen. Bis ich in Wien ankam, musste ich jedoch zuerst einmal 120 km mit dem Wind kämpfen. Nachdem ich für zwei Wochen meist nur an kleinen Dörfern und Städten vorbeigekommen bin, war Wien eine rechte Umstellung. Plötzlich ist man umgeben von Autobahnbrücken. Die Anzahl Passanten nimmt zu. Einige nehmen dich kaum war, andere schauen dir verdutzt nach. Bis ich dann bei Damien ankam, bin ich schon mal eine halbe Stunde durch die Stadt gefahren. Weil ich mich stark auf den Verkehr konzentrieren musste und die Dämmerung bereits eingesetzt hat, konnte ich den Stolz dieser Stadt erst erahnen. Nach einem gemütlichen Spielabend, ging es dann am nächsten Tag auf Erkundungstour. All diese historischen Gebäude zu sehen, ist schon eindrücklich.
















Bevor wir gemeinsam den deutschsprachigen Raum verlassen, will ich euch noch mit ein paar Schildern und Plakaten verwöhnen:







Weil ich etwas spät in Wien abgefahren bin, bin ich erst nach dem Eindunkeln über die slowakische Grenze gefahren. Die Slowakei ist das erste Land mit einer mir unbekannten Sprache, aber auch ganz allgemein das erste Land, wo ich nicht so recht wusste, was mich erwarten sollte. So hat es doch etwas komisch angemutet, als ich neben mir im Dunkeln Panzersperren liegen sah. Im Hostel in der Hauptstadt Bratislava angekommen, war dann aber doch alles ziemlich normal - bis vielleicht auf die Preise. 7 Euro für eine Übernachtung, das gibt es auch nicht überall. Erstaunlich viele Leute sprechen sogar ziemlich gut Deutsch hier.







Am nächsten Tag habe ich dann noch ein paar weitere Unterschiede bemerken müssen: Die Natur ist leider ziemlich verschmutzt. Teilweise sieht man hunderte von Plastiksäcken in Bäumen. Nicht selten liegen alte Kleider oder gar Fernseher am Strassenrand. Nachdem in Österreich die Donau oft recht schöne Steinufer hatte, ist sie in der Slowakei teilweise in Asphalt eingepackt. (Für Tipps, wie man das noch geschmackloser machen könnte, ist die slowakische Regierung dankbar.)










Nach zwei Tagen habe ich ans andere Ufer nach Ungarn gewechselt. Es ist schon interessant, wie anders ich diesen Grenzübergang wahrgenommen habe. Schon von weitem war die Basilika von Esztergom auf der anderen Seite der Donau sichtbar. Hinter mir begann eine wunderschöne Dämmerung. Einfach eine schöne Stimmung. Im Art Hostel wurde ich als einziger Gast herzlich begrüsst und fühlte mich auch sofort willkommen.










Schon von weitem sieht man bei der Reise nach Budapest die Kuppel des Rathauses. Die Kosten dafür sollen angeblich den Kosten einer Stadt für 40'000 Einwohner entsprochen haben. Ein so eindrückliches Gebäude hab ich wohl noch nie zuvor gesehen. Nicht nur die Grösse, sondern auch all die Details wirken einfach überwältigend. Im Gegensatz zu Wien, wo ich die Stadt auf eigene Faust erkundigt hatte, habe ich mich dieses mal einer Walking Tour angeschlossen, was ich auf jeden Fall in Zukunft wiederholen will. Schon alleine die Leute, die man dabei kennen lernen kann, sind eine solche Tour wert. Übrigens, der Name Budapest kommt daher, dass sich die beiden Städte Buda und Pest zusammengeschlossen haben. Pest hat auch nichts mit der Krankheit zu tun und wird als "Pescht" ausgesprochen.












Ich muss gestehen, der deutschsprachige Raum hat mich etwas auf die Probe gestellt. Streckenweise zwar sehr schön, aber dann halt doch etwas gar alltäglich - und ganz sicher nicht abenteuerlich. Jetzt, wo ich langsam in Gefilde vorstosse, die mir etwas fremder sind, fängt es an, interessant zu werden. Obwohl ich eigentlich gewarnt wurde, dass Ungarn etwas langweilig und landschaftlich weniger schön ist, gefällt es mir hier bisher sehr. Das kann sich zwar noch ändern, aber ich freue mich auf jeden Fall auf die Weiterfahrt!